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News | 29.05.2019

Wie eine Anlage von Dräger bei der Feuerwehr-Ausbildung hilft

Feuer und Flame für den Ernstfall

Die Feuerwalze kommt ganz plötzlich, wie eine tödliche Tsunami-Welle. Sie rollt über die acht Gestalten hinweg, die auf dem Boden kauern und binnen weniger Sekunden in einer dichten Rauchwolke verschwinden. Ohne Atemschutzgerät hätte keiner im Raum eine Chance, aber die kleine Gruppe ist gut gerüstet. Zwei Minuten später ist der Brand gelöscht, und die Tür geht auf.

„Gut gemacht“, lobt Matthias Proske. „Alles okay bei euch?“ Der 37-Jährige leitet heute mit zwei anderen Trainern eine Feuerwehr-Übung in Verden, bei der eine ganz spezielle Anlage zum Einsatz kommt: das FTS 8000 von Dräger, das erst kürzlich aufgestellt wurde und seitdem von Feuerwehren aus der ganzen Region genutzt wird.

Viel Platz für unterschiedliche Szenarien

Das Kürzel „FTS“ steht für „Fire Training System“, und genau darum geht’s. FTS 8000 ist eine „Realbrandausbildungsanlage“, mit der man Brände in geschlossenen Räumen simulieren kann. Die Installation besteht aus drei großen Containern, die t-förmig aufgestellt sind. Zwei der Container stehen direkt hintereinander und bilden so einen zwölf Meter langen Raum, der viel Platz für verschiedene Szenarien bietet.

Proske: „Die Anlage vereint erstmals gas- und holzbefeuerte Brandstellen mit Flüssiggas. Das ermöglicht uns, die Teilnehmer optimal auf alle Herausforderungen der Innenbrandbekämpfung vorzubereiten.“

Praxis statt Theorie – die Übungsanlage von Dräger macht das Training sehr realitätsnah

ein Kollege Patrick Schmieder von der Freiwilligen Feuerwehr Buchhorst greift unterdessen zur Säge und schneidet Hartfaserplatten zurecht. Einige davon werden im vorderen Bereich des Containers an der Decke fixiert, die anderen seitlich an den Wänden. Anschließend stellt er noch ein Stahlfass mit Faserstreifen in den Raum und schließt die Tür. „Kann losgehen“, ruft er den Teilnehmern zu. „Dann mal rein in die gute Stube.“

Die Ausrüstung wiegt über 20 Kilo

An diesem Samstag sind insgesamt 15 Feuerwehrmänner und -frauen angereist, alle aus Achim bei Bremen. Es sind mehrere alte Hasen dabei, aber auch Jüngere, die gerade erst aus der Jugendfeuerwehr zu den „Aktiven“ gewechselt sind.

Eine von ihnen ist Cecilia Meier von der Freiwilligen Feuerwehr Baden. Die 18-Jährige kam 2010 zur Jugendfeuerwehr und wurde 2018 in die Einsatzabteilung übernommen. Nun steht sie mit sieben anderen Teilnehmern auf der Freifläche vor dem Container und legt die Ausrüstung an, die sie in dem Container vor der Hitze und dem Rauch schützen wird.

Ihr Kollege Christian Löschen ist schon fertig und kontrolliert den Schlauch zwischen der Atemschutzmaske und der Luftflasche auf seinem Rücken. „Inklusive Schutzkleidung wiegt die Ausrüstung über 20 Kilo“, sagt er. „Da kommt man schon mal ins Schwitzen – vor allem, wenn man nicht ausreichend trainiert ist.“

Nach kurzer Zeit ist der Container voller Rauch

Aber dafür gibt es ja Anlagen wie das FTS 8000. Schmieder hat inzwischen die seitliche Tür des Containers geöffnet und die erste Gruppe reingeholt. Die Feuerwehrleute setzen sich auf den Boden und warten. Nur das leise Zischen der Atemschutzgeräte ist zu hören.

Der Trainer wiederholt noch mal einige Punkte, die am Morgen im Theorieteil erläutert wurden. „Bitte mal vorne auf die Faserplatten schauen“, sagt er. „Wenn Gegenstände unter Hitzeeinwirkung in Brand geraten, läuft das in mehreren Phasen ab. Erst verdampft die Feuchtigkeit im Material, dann bildet sich Gas, und schließlich entstehen Flammen.“

Wenige Augenblicke später ist es so weit. Die Hitze des Feuers im Fass entzündet die Hartfaserplatten, die wie auf Kommando lichterloh brennen. Die entstehende Hitze ist beachtlich, aber noch dramatischer ist der Rauch, der von den brennenden Platten ausgeht. Der ganze Container ist voll davon. Wer jetzt in Panik gerät, hat schlechte Karten. Aber alles bleibt ruhig, auch die Jüngeren behalten die Nerven.

Temperaturen von bis zu 1.000 Grad

Noch heißer wird es im nächsten Teil der Übung, in der eine „Rauchgasdurchzündung“ simuliert wird. „Sehr gefährlich“, sagt der Trainer. „Kann immer dann passieren, wenn Pyrolysegas und ausreichend Sauerstoff im Raum sind.“

Mit diesen Worten greift er zur Fernbedienung und startet das Inferno. Über den Köpfen der Teilnehmer entzündet sich Propangas, das sekundenschnell Temperaturen von bis zu 1.000 Grad erreicht.

Als die Tür wieder aufgeht, ist es auch draußen warm. Die Sonne scheint, und die Gruppe kann erst mal Pause machen. Christian Löschen streift die schwere Jacke ab und fährt sich mit der Hand durchs verschwitzte Haar. „Das war schon ziemlich beeindruckend“, sagt der 32-Jährige. „Wir haben bei uns im Ort auch einen Übungscontainer, aber hier ist alles viel realistischer. Da begreift man, wie gefährlich ein echter Brand sein kann.“

„Keine Angst, aber Respekt“

Sein Kollege Jannik Ditzfeld nickt. „Stimmt“, sagt er, „das hier ist kein Kino, sondern eine direkte Konfrontation mit Feuer und Rauch.“

Hand aufs Herz, hatte er Angst im Container? „Nein, Angst nicht“, sagt der 26-Jährige. „Aber man bekommt Respekt. Und man begreift, wie wichtig gutes Training ist.“

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